(Bildschirm-)Mediensucht (und ADHS) + IMV-News, IMV Newsletter März 2012

Die Zahlen schwanken. Das bereits vorsichtige Ergebnis einer Untersuchung vom letzten Jahr sorgte für aufgeregte Debatten. Mehr als eine halbe Million Deutsche „internetsüchtig“!?!
http://www.jugendhilfeportal.de/jugendschutz/artikel/eintrag/560000-menschen-in-deutschland-sind-internetsuechtig/
Abgefragt wurde nur die sog. Internetabhängigkeit. Aber das Suchtspektrum zwischen TV, Spielekonsole und Computer ist vielfältig – die Problematik wird gerne in Abrede gestellt, wie u.a. die Kommentare auf gulli.com verraten: http://www.gulli.com/news/17204-rund-560000-deutsche-sind-laut-bundesregierung-internetsuechtig-2011-09-26

Dass das Problembewusstsein wächst, auch wenn immer noch medienpädagogische Mythen um ein „möglichst frühes Heranführen an die Technik“ als Allheilmittel herrschen, davon zeugt auch die nun regelmäßig stattfindende Mediensucht-Konferenz: http://www.mediensucht-konferenz.de/

Zur besonderen Affinität zwischen einer ADHS-Problematik und Mediensucht wird inzwischen intensiver geforscht: http://eltern.t-online.de/adhs-kinder-besonders-anfaellig-fuer-mediensucht/id_44993766/index
Laut Harris interactive, einem Marktforschungsunternehmen aus den USA, ist das Risiko für eine Mediensucht bei ADHS-Kindern und -Erwachsenen fast doppelt so hoch, wie bei anderen – laut Selbstauskunft der Befragten. Laut Kriminologischem Forschungsinstitut Hannover (KFN) ist das Verhältnis 1:3. Insofern sind Therapieprogramme mit spezieller Software dringend zu evaluieren und die Diagnosekriterien vice versa zu erweitern!

Regine Pfeiffer merkt für diese Gruppe auch eine besondere Gefährdung für den Kauf von Items bei Browser-Spielen an: http://www.regine-pfeiffer.de/ (s. u.a. Fußnote 2 beim ersten Blogeintrag!)

… dies in Ergänzung zu unserem Newsletter vom August 2011: Medienkonsum und ADHS (https://www.medienverantwortung.de/newsletter-2011/)

Es gibt viel Scharlatanerie auch in diesem Bereich, da die IT-Branche viel Geld darin investiert, dass der „möglichst frühe“ Konsum dieser Medien nicht in Frage gestellt wird – vor allem wird suggeriert, dass man sonst Bildungschancen verpasse. Hier bedarf es gut informierter Eltern und Pädagogen, weil das Gegenteil bewiesen ist. Siehe dazu z.B. die Absetzung von Disneys Little Einstein dvds: http://ecochildsplay.com/2009/10/24/disney-admits-baby-einstein-does-not-increase-intelligence/ und die Forschungen von Dimitri Christiakis u.a. – dazu bald mehr in unserem Seminar zur Medienbildung (s.u.)

Und hier ein Blick in die Diskussionen um eines der Online-Spiele mit extremem Suchtpotential – WoW: http://www.wowdetox.com/

Unabhängiges Netzwerk für Ratsuchende, ein Selbsthilfepotal: http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/ (hier kann sich jeder Ratgebende selbst eintragen!) – auch beim Fachverband Medienabhängigkeit kann man sich informieren: http://www.suchtmittel.de/info/mediensucht/002426.php – und bald auch bei www.mediengewalt.eu, die ihr Arbeitsspektrum entsprechend erweitern werden. Das IMV ist Mitglied in ersterer und letzterer Organisation!

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IMV News

Im Juli bieten wir wieder ein Seminar zum Thema „Medienbildung für Multiplikatoren“ an – die Anmeldung läuft bereits.
https://www.medienverantwortung.de/unsere-themen/schulungen/seminare/