August/September: 25 Jahre „War on Terror“ und kein Ende + IMV News

August/September: 25 Jahre „War on Terror“ und kein Ende + IMV News

Liebe Interessierte,

dies ist ein Sommernewsletter, der für die Monate August und September erscheint.

Er befasst sich mit historischen Daten und Fakten rund um die (neue) Kriegspolitik, die inzwischen sichtbare Urständ auch für viele derjenigen feiert, die nicht zur Friedensbewegung gehören – nur bis zu den meisten Medien hat sich das anscheinend noch nicht herumgesprochen.

Neben einigen wichtigen Daten im August möchten wir gerade in diesen beiden Monaten nochmal an die Atombombenabwürfe in Japan sowie den 11. September 2001 erinnern – wahre Zeitenwenden.

Am 1. August wäre eine gute Gelegenheit gewesen, an die Schlussakte von Helsinki 1975 zu erinnern, die mit dem KSZE-Prozess für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa die wichtige Grundlage für die heutige OSZE gelegt hat – die mehr Würdigung verdient, als ihr Zurseite-Schieben durch die NATO-Staaten: https://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-krisenmanagement/konfrontation-und-annaeherung/ksze.html.

Ebenfalls am 1. August trat 2010 das Abkommen gegen Streumunition Kraft, worauf u.a. der österreichische Friedensforscher Thomas Roithner auf seinem X-Account hinweist – wie auch auf weitere Errungenschaften.

Zu den Jahresdaten der Atombombenabwürfe auf Hiroshima (6.8.) und Nagasaki (9.8.) 1945 wird es an einzelnen Orten Gedenken geben; im politischen Diskurs wird das vermutlich eher stören – auch das Fakt, dass ausschließlich die USA diese menschenverachtenden Waffen eingesetzt haben (in ihrer 250-jährigen Geschichte nur 25 keinen Krieg führten) entspricht ja kaum dem wohlwollenden Dominanzdiskurs über „Wertepartner“ und „Verbündeter“.

Wer sich ein Bild machen möchte, was durch die Verharmlosung einer möglichen nuklearen Eskalation à la Merz & Co. passieren könnte, befasse sich mit dem Schicksal der Hibakusha in Japan bis heute (deren Organisation erhielt 2024 den Friedensnobelpreis: https://www.spektrum.de/news/nobelpreise-friedensnobelpreis-2024-geht-an-nihon-hidankyo/2237230).  

Zum 25. Jahrestag der Anschläge des 11. September 2001 ist anscheinend wenig Erinnerungs- und Mahnkultur geplant, obwohl oder vielleicht weil wir seither verstärkt eine schleichende bis offene Militarisierung im Kontext des sog. „War on Terror“ erleben, wofür die Weichen allerdings schon lange zuvor gestellt waren: https://www.bpb.de/themen/infodienst/579053/der-lange-krieg-gegen-den-terror-entwicklung-und-stand-der-anti-terror-gesetzgebung-25-jahre-nach-9-11. Die Aushöhlung aufklärerischer Rechtsstandards – beginnend mit dem Patriot Act in den USA – nimmt gerade auch hier atemberaubende Züge an und wird u.a. von US-Ökonom Jeffrey Sachs in all ihren Zusammenhängen thematisiert – hier im Interview von Tucker Carlson. Die stereotype Auswahl von Anschlagszielen durch IS, Al-Qaida & Co. wäre sicher auch eine Recherchefrage, der aber unsere Investigativjournalisten oder gar Faktenchecker vermutlich nicht nachgehen werden. Bisher betroffen waren v.a. Frankreich, Deutschland und England sowie muslimische Staaten, die USA nur ein einziges Mal (wenn man den Anschlag auf das WTC von 1993 nicht mitzählt, wo es die so benannten Organisationen noch nicht gab).

Bemerkenswert ist sicher die Rede Navid Kermanis beim Gelöbnis neuer Bundeswehrrekruten am 20. Juli 2026 – über die Instrumentalisierung des Gedenktages des Hitler-Attentats wollen wir uns an dieser Stelle nicht auslassen, sondern darauf, dass Kermani in seiner Rede am Bendler-Block die Rekruten konkret dazu auffordert bei offenkundigen Verletzungen des Völkerrechts wie aktuell beim Iran-Krieg „Ihre Pflicht den Dienst zu verweigern“ wahrzunehmen (Min 46 der Phoenix-Aufzeichnung der gesamten Gelöbnis-Veranstaltung/Redebeginn: Min 33).

Dies zwischen den Reden von Boris Pistorius, der in seinem Part den Widerstand aus dem Militär und Verantwortung allein durch Militär betont, wobei er Arthur Ponsonby (die Aggression kommt von außen, wir verteidigen uns ja nur…) alle Ehre machen würde, und der Rede des ins gleiche Horn stoßenden Generalinspekteurs Breuer, der nochmal die „Verteidigung von Werten“ betont. Immerhin ergänzt Kermani den Attentatsversuch auf Hitler um den von Georg Elser, den er jedoch „Eisler“ ausspricht, und einige andere prominente Widerständler der Religions- und Zivilgesellschaft. Der Redner scheint aber sich nicht mit der modernen Kriegspropaganda auseinander gesetzt zu haben, weshalb er den Afghanistan-Krieg als berechtigt gutheißt und sogar den Kosovo Krieg für legitim hält, ebenso wie die Bush-Doktrin des „preemptive strike“. Dass es völkerrechtlich sehr enge Grenzen für einen „Präventivschlag“ gibt und wie diese Grenzen seit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf den Irak 2003 ständig erweitert werden, zeigen zuletzt die Rechtfertigungsversuche der USA für den ebenfalls völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran. Dass die Politik die von Ihnen entsendeten Soldaten im Stich lässt, damit hat Kermani recht. Aber die tiefere Begründung liegt bereits in der falschen Entsendung, weshalb man auch aktuell einige Übersee-„Missionen“ kritisch zu prüfen hätte. Kermanis Bemühen sich an die Seite sowohl der Soldaten als auch der Politik als auch der Iraner zu stellen, ist erkennbar, scheitert aber schließlich an den Fakten – so hinterfragt er nicht, wie es in wenigen Tagen im Iran zu zehntausenden Toten gekommen sein soll, während die Zahlen der getöteten Palästinenser im Gazastreifen kaum ansteigen, obwohl es dort täglich zu israelischen Angriffen mit tödlichem Ausgang kommt. Die Kritik an den Zuständen im Iran ist freilich berechtigt, an den Exekutionen sowieso, war aber wohl vor allem dazu gedacht, die hiesige Situation mitsamt der Möglichkeit des Widerspruchs zu würdigen – ein rhetorisch durchaus gelungener Zug, denn so beschränkten sich die (empörten) Reaktionen auf seine konkrete Aufforderung der Befehlsverweigerung auf das Herabfallen maskenhafter Gesichtszüge – wie in der Aufzeichnung der Phoenix-Mediathek deutlich zu sehen ist; dank Kameramensch und Schnitt.

Festzuhalten bleibt: Die Normalisierung von Kriegsrhetorik und Bildern des Militärischen in allen möglichen Medienformaten schreitet voran – und das ist insgesamt eine alarmierende Entwicklung. Schüler machen es den anscheinend ruhig gestellten Bürgern gerade vor, wie Widerstand gegen die Zeichen der Zeit aussehen kann. Viele Veranstaltungen der Friedensbewegung – auch über August und September hinaus – sind gebündelt auf folgenden Websites zu finden: https://friedensratschlag.de und https://www.friedenskooperative.de und lokal vor Ort.

IMV News

Unsere Haupt-Website ist nach einem Hack weiterhin offline – wir arbeiten dran. Unsere etwas vernachlässigten Blogs medien-meinungen und generationmedien sind weiterhin erreichbar, wie auch unsere LinkedIn-Site IMV_Berlin und unsere X-Accounts. 

Inzwischen sind die beiden Tagungs-Beiträge (vom 1.-3. Mai 2026 in Erfurt, anbei) von Sabine Schiffer in der 77. Ausgabe der Zeitschrift „Verantwortung“ der Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung erschienen, das hier komplett bestellt oder abgerufen werden kann: https://bonhoeffer-niemoeller-stiftung.de/index.php/themen-projekte/zeitschrift-verantwortung.

Das IMV ist eine Kooperation mit dem neuen Projekt Zwischenwelten eingegangen und unterstützt sowohl die Gründung eines interkulturellen Journalisten-Netzwerks als auch die neu entstehende Interkulturelle Nachrichtenagentur IKNA: https://zwischenwelten-berlin.de.

Die Ausschreibung eines Medienpreises gehört ebenfalls dazu, der in diesem Jahr erstmalig vergeben wird – Beteiligung ist noch bis Mitte September möglich: https://zwischenwelten-berlin.de/medienpreis.

Wir wünschen bei allem Engagement auch einen erholsamen Sommer!

Mit freundlichen Grüßen

Euer IMV-Team

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