Datensparsamkeit im Internet + IMV News, IMV-Newsletter September 2019

Liebe Interessierte,

sogenannte Feindeslisten oder Todeslisten, die nach dem Mord an Walter Lübcke in Kassel in Strafverfolgungsbehörden und Medien diskutiert werden, zeigen, worauf man achten sollte in Bezug auf den Schutz der eigenen Daten. Aber nicht nur diese Extrembeispiele, die Platz für Privatadresse und Geburtsdatum vorgesehen haben, sollten eine Warnung sein. Jede(r), die Verantwortung für Anverwandte oder Freund*nnen übernimmt und zum Beispiel telefonisch Amtsgeschäfte für eingeschränkt Geschäftsfähige übernimmt, weiß, dass man mit der Nennung des Geburtsdatums sehr viel erreichen kann. Es fungiert wie ein Sesam-öffne-Dich bei Krankenkassen, Laboren, Behörden aller Art und und und. Name, Geburtsdatum und evtl. Adresse identifizieren uns. Über sie lassen sich Rechtsgeschäfte für die bekannten Personen abwickeln.

Deshalb haben diese sensiblen Daten nichts im Internet zu suchen – und dort landen sie auch über die Smartphones von Verwandten, Freundnnen und Kollegnnen. Denn, wer eine App herunterlädt, stimmt nicht selten zu, dass auf das eigene Adressbuch zugegriffen wird. Wer denkt dabei über seine eigenen Daten hinaus an den Schutz der Daten anderer? Für diese Art von Medienverantwortung müsste in den Bildungseinrichtungen mehr Bewusstsein geschaffen werden. Natürlich sollen keine persönlichen Daten von Schüler*nnen in Lese- oder anderen Portalen landen, oftmals haben die Kinder jedoch schon von ihren Eltern eine frühe Webbiografie geerbt. Da muten Diskussionen wie die über Kidsfluencer geradezu exotisch an: https://www.instagram.com/explore/tags/kidsfluencer/top/?hl=de.

https://www.spiegel.de/netzwelt/web/kinder-als-influencer-kinderschuetzer-warnen-vor-kinderarbeit-a-1230367.html

Wobei gegen Datenlecks, wie hier bei einer Blutspenderdatenbank, kein Kraut gewachsen scheint: https://www.sueddeutsche.de/digital/blutspende-brk-facebook-patientendaten-1.4576563 Jedoch spätestens hier wird deutlich, dass das Thema alle betrifft.

Was tun, wenn die eigenen Daten schon im Netz kursieren und man erst nach der Zusendung einer teuren Ware, die man nicht selbst bestellt hat, merkt, dass das vielleicht problematisch ist?

  1. Eigene Profile reinigen.
  2. Verwirrung stiften, indem man widersprüchliche Daten im Netz verbreitet.
  3. Sich an die Datenschutzbeauftragten im jeweiligen Bundesland wenden.
  4. Wer bereits Hass- oder Bedrohungserfahrungen über das Internet erfahren hat, kann sich beispielsweise an HateAid wenden: https://hateaid.org.

Aktuell sucht das Medienprojekt Wuppertal Teilnehmende für ein Filmprojekt zum Thema Stalking. Falls jemand solche Erfahrungen gemacht hat – auch kein Netzphänomen, aber evtl. ein dadurch verstärktes – melde sich gerne bei: info@medienprojekt-wuppertal.de. Auch für ein weiteres Projekt zum Thema HateSpeech wird um Mithilfe gebeten: https://www.medienprojekt-wuppertal.de/videoprojekt-ueber-hatespeech.

Einmal verbreitete Daten sind – bei allen neuen Schutzbestimmungen – kaum wieder einzufangen. Dennoch sollte man sich evtl. juristisch beraten lassen, was man für Möglichkeiten hat. Wer sich bewegt, hinterlässt Spuren. Die meisten sind für die meisten Menschen nicht einsehbar, aber auf Geburtstagsgrüße bei Facebook oder Instagram (also auch Facebook) sollte man dringend verzichten!

https://www.zeit.de/2018/21/datenschutz-dsgvo-epochenwende-reform

https://www.heise.de/forum/heise-Security/News-Kommentare/Gehackte-Daten-Einfache-Schritte-zum-Schutz-vor-Hackerangriffen/Datensparsamkeit-und-Datenvermeidung-neu-denken/posting-33716187/show/

IMV News

Wir vom Institut für Medienverantwortung als Mitglied im Verein „Mediengewalt – Internationale Forschung und Beratung“ trauern um die kürzlich verstorbenen Mitglieder Elke Ostbomk-Fischer und Werner Hopf. Dr. Werner Hopf war zuletzt der Vorsitzende des Vereins und hat sich in vielen Publikationen und Veranstaltungen für eine sozialwirksamen Schule eingesetzt. Frau Ostbomk-Fischer hat mir ihrer kritischen Stellungnahme zu den Entwicklungen an der FH-Köln im Kontext des Sponsoring von Gaming als Bildungsinhalt entscheidend zur Transparenz beigetragen und ganz wesentlich den Kampf gegen die Verharmlosung von Mediengewalt unterstützt. Wir verlieren mit ihnen zwei Menschen mit Durchblick und Verantwortungsgefühl und werden auch in ihrem Sinne weitermachen.

Anlässlich des Gutachtens zur Nichtanerkennung von sog. eSport, unsere Pressemitteilung zusammen mit dem Verein gegen Mediengewalt: https://www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2019/08/20190826_IMV-PM_eSport-nicht-gemeinnuetzig.pdf.